Michael EngelIngenieursdienstleistungen (RA & KI)

Neue Normen für KI: EN 18286 und ISO/TS 24971-2 sind da, die Vermutungswirkung fehlt noch

Offenlegung: Der Betreiber dieser Seite bietet Ingenieursdienstleistungen im Bereich Regulatory Affairs für Medizinprodukte an.

Anlass: Für KI-Medizinprodukte gibt es zwei neue Arbeitsgrundlagen. Im Juni 2026 ist ISO/TS 24971-2 erschienen, ein Leitfaden zur Anwendung von ISO 14971, der Risikomanagement-Norm für Medizinprodukte, auf maschinelles Lernen. Er behandelt Risiken aus Trainingsdaten, Verzerrungen (Bias), Erklärbarkeit, Autonomie und Leistungsabfall über die Zeit. Im Juli hat CEN-CENELEC die europäische Norm EN 18286 herausgegeben. Sie beschreibt ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) für die Anforderungen aus Art. 17 AI Act.

Das Problem: Beide Dokumente helfen, keins von beiden gibt aber schon Rechtssicherheit:

Was Hersteller tun können:

  1. Kein zweites QMS: Das bestehende QMS nach ISO 13485 um die Anforderungen aus EN 18286 erweitern, statt ein paralleles System aufzubauen. Eine Gegenüberstellung beider Normen zeigt die Lücken.
  2. ML-Gefährdungen in die Risikoakte übernehmen: Datenverschiebung, Bias und Fehlklassifikation als eigene Gefährdungen in der ISO-14971-Akte führen und dabei ISO/TS 24971-2 als Leitfaden nutzen.
  3. Generative Komponenten eigens begründen: Für Sprachmodelle gibt es keinen Normverweis. Hier muss das Risikomanagement selbst dokumentiert begründen, wie Fehlausgaben erkannt und begrenzt werden.
  4. Zitierung im Amtsblatt beobachten: Erst wenn EN 18286 zitiert ist, gilt die Vermutungswirkung. Bis dahin ist die Norm ein guter Maßstab, aber kein Nachweis.

Einordnung: Die Normtexte sind kostenpflichtig. Diese Meldung beruht auf den Katalog- und Ankündigungsseiten sowie auf Fachbeiträgen, nicht auf dem Volltext der Normen.

Quelle: ISO/TS 24971-2:2026 Medical devices — Guidance on the application of ISO 14971 — Part 2: Machine learning in artificial intelligence (ISO), vom 17.06.2026